Solorolle

Ich hatte das Glück, dass mein Studiengang (Produktdesign) in Wismar noch ein Diplomstudiengang war. Dadurch musste ich nur 4 Jahre studieren, um mich nun Diplom – Designerin nennen zu dürfen. In den drei Monaten, die mir für die Diplomarbeit zur Verfügung standen, musste ich eine Arbeit von min. 40 Seiten schreiben und einen neuen Gegenstand entwerfen. Schon ziemlich lange wusste ich, dass ich ein Möbelstück entwerfen wollte. Sie sind mir einfach vertrauter, als beispielsweise elektrische Geräte.

In der Vergangenheit habe ich mich schon häufiger über unpraktische Sofabetten geärgert. Oft sind sie nur als Sofa entworfen. Die Liegefläche, die man durch (aufwändigen) Umbau erhält, ist meistens uneben, mit unterschiedlich harten Seiten und Ritzen und dadurch unbequem. Sie sind also bestenfalls als Gästebett, jedoch nicht für den „allnächtlichen“ Gebrauch geeignet.
Zwar hat mich mein Professor, nachdem ich ihm meine erste Idee vorgestellt habe, dazu gedrängt einen ganz allgemeinen Titel zu formulieren („Ein multifunktionales Möbelstück für die jüngere Generation“), jedoch bin ich immer bei dem Sofabett geblieben.
In der theoretischen Arbeit habe ich vor allem untersucht, wie sich die Wohnkultur entwickelt hat, wie junge Leute heute leben und was ihre Ansprüche sind. Dabei habe ich herausgefunden, dass 40% aller Deutschen Singles sind – was auch der Grund dafür ist, dass mein Sofabett nur einen Schlafplatz bietet.

Am wichtigsten war mir, dass der Umbau von Sofa zu Bett und zurück möglichst schnell und einfach funktioniert. Das Herzstück des Sofabettes ist die rollbare Matratze. Sie ist aus Viscoschaum. Dieser Schaumstoff ist extrem elastisch und weich. Dadurch lässt er sich besser rollen, als anderer Schaumstoff, und ist sehr komfortabel und ergonomisch. Die Matratze ist durch einen Reißverschluss am Sofa fixiert, sodass sie sich reinigen und austauschen lässt. An der Matratze ist ein spezielles Laken mit Klettverschluss befestigt, das miteingerollt wird, und dann unsichtbar ist. Unter dem Sofa befindet sich eine Schublade, in der das Bettzeug verstaut werden kann. Wenn man also das Bett aufbauen möchte, muss man nur die Rückenpolster vom Sofa nehmen, dann die Matratze ausrollen und anschließend das Bettzeug aus der Schublade nehmen. Die Rückenpolster passen genau in die Vertiefung der Rolle.

Der dunkelgraue Bezugsstoff ist relativ grob gewebt und dadurch schmutzunempfindlich. Die dunkelroten Beine aus gebogenem Stahlrohr stehen im Kontrast zur Sitzfläche und lassen es leichter erscheinen.

Die Fotos zeigen ein Modell im Maßstab 1:2.


 

 

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